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Kultur:
Barockmusik im Spannungsfeld eines Monologs über Judas

Beeskow (St. Marien). Am Sonnatg, 17. März 2019 beginnt in der Sakristei der St. Marienkirche Beeskow um 16:30 Uhr die zweite Veranstaltung der Reihe „Musik in St. Marien“. Inhaltlich geht es um Judas, den Verräter, und um Barockmusik, gespielt vom Beeskower Blockflötenconsort.

Viele kennen ihn, den „Judaskuss“. Manche verbinden damit Verrat. Hintergrund ist der Teil der Passionserzählung, in dem Jesus von seinem engsten Freund Judas verraten und somit den Kriegsknechten ausgeliefert wird. Seit Jahrhunderten war Judas Ischarioth somit der Bösewicht schlechthin. Oder aber gäbe es die ganze Passionserzählung bis hin zu Ostern nicht, wenn Judas nicht seinen Herrn und Meister verraten hätte? War Judas gar ein Bauernopfer des göttlichen Heilsplans für die Menschheit?
Walter Jens, Altphilologe, Literaturhistoriker, Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer hat sich dieses Menschen Judas angenommen und Gedanken, die einer geschichtlichen Logik nicht entbehren, in Form eines Monologs niedergeschrieben. Diese „Verteidigungsrede des Judas Ischarioth“ wird von Tilman Schladebach gelesen werden. Sicher ist es ein erdachter Monolog. In seiner Spannung gibt er aber eine Sichtweise preis, die durchaus realistisch erscheint. Der Zuhörer bekommt einen anderen, einen neuen Blickwinkel auf den ihm bekannten Judas. Das wird die Spannung dieses besonderen Nachmittags ausmachen. Scheinbar im Gegensatz dazu erklingt barocke Blockflötenmusik, gespielt von fünf Blockflöten. Doch greift die Musik die spannungsgeladenen und zu Herzen gehenden Äußerungen des Judas auf. John Dowlands „Lacrimǽ“ bieten dabei die passenden Aussagen. Die „Tränen“ in all seinen Fassetten komponierte John Dowland im Jahr 1604. Es sind u.a. die „Alten Tränen“, „Erzwungene Tränen“, „Tränen der Trauer“ oder „Wahre Tränen“, die im Konzert für Sopran-, zwei Alt-, Tenor- und Bassblockflöte erklingen werden. Mit immer wieder dem gleichen Tonmaterial gestaltet Dowland charakterlich unterschiedliche Stücke zum Thema. Der Bezug zum verzweifelten, aufbrausenden, aber auch immer wieder in sich gekehrten Judas wird augenscheinlich. In diese scheinbar abstrakte Gedankenwelt gliedern sich dann auch die zwei gespielten Fugen aus der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach ein, die das Programm abrunden. Somit erwartet die Zuhörer ein spannendes und zugleich ergreifendes Konzerterlebnis. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende zur Kostendeckung wird am Ausgang herzlich gebeten.

Text und Foto: Matthias Alward

Eingetragen am 05.03.2019 um 17:26 Uhr.
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